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1. Mai 2024

«Ich bin, wer ich bin, und dazu stehe ich»

Rita zwischen Mann und Frau

Der Körper spielt für die Identität eine besondere Rolle. Doch was, wenn man im falschen Körper steckt?
Ich wurde als Mann geboren. Mein Verlangen, als Frau zu leben, wurde immer grösser. Zur damaligen Zeit war das undenkbar. Ich musste mein Verlangen verdrängen. So switchte ich viele Jahre zwischen Mann und Frau hin und her, bis es aus mir herausbrach. Ich hatte weder die Kraft noch die Lust, mich weiterhin zu verstecken. Ich brauchte ärztliche Unterstützung. Inzwischen war ich längst verheiratet und hatte zwei erwachsene Kinder. Höchste Zeit, mich meiner Familie zu outen. Werden sie mich akzeptieren oder sich von mir abwenden? Vor ihren Reaktionen hatte ich Angst.
Aber für meine Frau und die beiden Kinder war es ein Schock, und den mussten sie zuerst verarbeiten, was lange dauerte.

Ich wurde ausgegrenzt

Dass man mir ansieht, dass ich in einem männlichen Körper stecke, mache ich mir nichts vor. Aber ich bin, wer ich bin, und dazu stehe ich.
Als Mitglied einer Evangelisch-methodistischen Gemeinde (EMK) wollte ich als Transfrau in den Gottesdienst gehen. Davon wurde mir aber mit Hinweis auf die Bibel von Mitgliedern abgeraten. Die Gründe konnte ich nie verstehen. Der liebende Gott liebt auch Rita. Daran zweifle ich keinen Moment. Ob ich meinen männlichen Körper dem Frauenkörper anpasse, spielt nach meinem bescheidenen Bibelverständnis keine Rolle. Ich bleibe derselbe Mensch. Oder bin ich darum eine sündige Christin? Diese Frage würden wahrscheinlich einige Christen mit „ja“ beantworten, auch solche von der EMK.
In war unglücklich und enttäuscht. Nach dem Gespräch mit dem Gemeindepfarrer empfahl er mir die damals neue Regenbogenkirche! Was ist das denn? Ich hatte noch nie etwas von dieser Kirche gehört. Ich wurde hellhörig und gwunderig. Da werde ich hingehen!

Rita wechselte in die Regenbogenkirche

Für den ersten Gottesdienst stylte und schminkte ich mich, strich die Fingernägel an und brachte die Haare in Form. Mit solcher Gelassenheit ging ich noch nie in die Kirche. Die Freude war riesig. Dieser Gottesdienst wird mir noch lange in guter Erinnerung bleiben. Ritas erstes Abendmahl war aber das Tüpfli auf dem ii.
Als Transfrau in die Kirche gehen und zu wissen, dass ich trotz anderer Meinungen nichts Verwerfliches tue: Das musste ich zuerst begreifen lernen.

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